Vinaora Nivo Slider 3.x

Ein Tag Meer erleben

Erlebnisbericht des „Kommerz-Brause“ Tri-Island-Triathlons

Es hätte ja auch schönes Wetter im September sein können: Das wird sich der Veranstalter des Tri Island-Triathlon Jan Regenfuss, der die dritte Ausgabe des Wettkamps in diesem Jahr in den September legen musste, vermutlich öfter gedacht haben und auch wir Teilnehmenden hatten am Samstagmittag frierend im Nieselregen auf der nördlichen Spitze der Insel Amrum sitzend öfter den Gedanken, dass das Drittel der ursprünglich Angemeldeten, die einfach zu Hause geblieben sind, die vielleicht klügere Entscheidung getroffen hatten. Aber der Reihe nach.

Der Tri-Island auf den Nordseeinseln Föhr, Amrum und Sylt hat einige Medienwirksamkeit bekommen. Das lag vermutlich nicht nur an den prominenten Startern der ersten beiden Jahre, sondern auch an dem Hauptsponsor, der mit einem coolen Image und dem Know-How für Vermarktung aus der Olympischen Distanz ein Event macht, das seinesgleichen in Deutschland sucht. Angefixt durch ein paar originelle Videos, entschloss ich mich einmal dabei zu sein. Die Verlegung aus den Vorjahren vom Juli in den September habe ich zunächst einfach hingenommen, ohne die Tragweite zu erahnen.

Sechs Disziplinen: Anfahrt, Wattwanderung, Schwimmen, Radfahren, Speedboot, Laufen

Bei so einem durchwachsenen Sommer wie dieses Jahr kann der September „natürlich“ nicht nur schön sein. Der Blick auf die Wetterdaten verriet daher auch schon ein paar Tage vorher: das wird unter Umständen ein nasses Vergnügen. Da der Wettkampf auf Inseln stattfand, verzichtete ich wohlweißlich auf das Auto und entschied mich für den Zug bis zur Fähre.
TriIsland2Fatal, denn wer schon einmal versucht hat mit einem Fahrrad einer Monster-Tasche und einem Zelt dreimal pünktlich den Anschluss bei der Bahn zu erwischen, der braucht nervlich keinen Triathlon mehr. Groß war nicht nur die Freude über die äußerst knapp erreichte Fähre, sondern auch beim Blick auf den Horizont. Graues Nordseewasser zeigt die Spiegelung eines Sonnenuntergangs. Es sollte bis zum Nachmittag des folgenden Tages das letzte Mal sein, dass ich die Sonne sah.

 

Party „all night long“? Naja – eher Regen auf dem Zelt

Die wirklich gute Organisation des Events begann mit einem Shuttle vom Fährhafen in Wyk zum Wettkampfort Utersum auf der anderen Seite der Insel Föhr. Laute Musik dröhnt aus der Veranstaltungsscheune, nachdem wir, die Spätkommenden, mit unseren Rädern die Insel gequert haben. Alle sind mit Erdinger, Wasser und natürlich Red Bull (Davon sollte es am Wochenende in allen Formen und Farben (!) noch genügend geben) am Feiern. Das Buffet war schon fast leer gegessen, aber nur fast. Und es kam, wie es kommen musste, nach dem Einchecken, mit dem Zelt in der Hand auf dem bereitgestellten Zeltplatz fängt es an zu regnen. Es lebe das Wurfzelt, 2 Sekunden Aufbau sind wirklich nur leicht übertrieben. Der Regen ließ dann gegen 6 Uhr morgens nach, aber auch nur, um dann pünktlich um 9 Uhr bei Abmarsch zur insgesamt 8km langen (Watt-) Wanderung zum Start wieder einzusetzen.

Pünktlich brechen dann 299 Athleten zur ersten Disziplin des Tages auf, der Wattwanderung. Noch hört man es feixen und juchzen, der Einstieg ins Watt im Nieselregen macht allen Spaß, knöcheltiefes Wasser und Anekdoten der zehn Wattführer (sämtliche verfügbaren der Insel), die uns sicher nach Amrum bringen sollten.
Nach einer Stunde Fußmarsch auf dem schlickigen Boden mit der Durchwatung von zum Teil hüfthohen Prielen lachte niemand mehr laut. Die letzten Plastiktüten um trainierte Körper sind durchgeweicht. Es beginnt das große Frieren.

Die ideale Schwimm- und Kameralinie

Auf Amrum, nachdem wir uns am abgeflatterten Naturschutzgebiet – niemand sollte auf die Idee kommen, sich in den Dünen zu erleichtern – zur Wartezone entlang geschlängelt haben, warten kalte Getränke und ein paar Sonnenschirme auf uns. Das Regenwetter wollte wohl niemand so recht wahrhaben im Vorfeld. Aber zum Glück hat ein Getränkekühlschrank zwei Seiten. Wer kann presst sich an die Wärmeschlangen, bleibt auffällig lange auf den bereit gestellten Toiletten oder aber zwängt sich mühsam mit klammen Fingern schon jetzt in den Neoprenanzug. In dieser Montur sitzen und hüpfen wir dann noch einmal etwas mehr als zwei Stunden, bis es endlich losgehen sollte. Ein paar wenige ganz Schlaue haben sich Nudelsalat oder eine richtige Brotzeit eingepackt, die Anderen halten sich an Energieriegel und  - natürlich – Red Bull.


Das Video zum Wettkampf, Achtet auf die 24. Sekunde:


Pünktlich 14.15 Uhr stehen wir hinter dem Red Bull Banner und weichen dem auflaufenden Wasser aus. Bis alles richtig drapiert ist für den richtigen Kameraschwenk und den medial aufregend anzusehenden Start. Dann beginnt das Abenteuer Inselcrossing. Das Meer ist gnädig, das Wasser ruhig wie in einem unberührten Wannenbad. Und es hat tatsächlich aufgehört zu regnen oder kommt mir das nur so vor, weil auf einmal alles nass und salzig um mich herum ist? Thema in den Stunden vor dem Start war immer wieder die Ideallinie zwischen den Inseln. Anfangs Strömung nach rechts, am Ende nach Links, dazwischen vier Katamarane und ein sehr weit weg stehender Red-Bull-Bogen, die den Weg weisen sollten. Am Ende schlage ich mich dann auch mehr recht als schlecht durch die braune Brühe, bis mir zweihundert Meter vor dem Ufer, ein fataler Krampf in die Wade schießt. Leider ist der nicht wie sonst üblich alleine weggegangen und auch als ich dann aus dem Wasser kraxele, ist der Schmerz noch da. Ein Muskelfaserriss, wie sich viel später – längst zu Hause – herausstellen sollte. Nicht ganz klar ist, ob besseres Aufwärmen oder doch noch etwas mehr Brause in der Wartezeit Abhilfe geschaffen hätten.

Durch ein Spalier dem Knock-Out entgegen

Nach ein paar Metern übern Deich standen da unsere Fahrräder, die nun möglichst eilig in zwei Runden über die Insel Föhr bewegt werden sollten, auf winkligen Feldwegen, zunächst an Schafen vorbei, später auch durch Schafe hindurch, weil diese entgegen aller sorgfältigen Planungen nicht an das Vorfahrtsrecht der Wettkämpfler auf ihrem Deich halten wollten. Das führte zu einigen Verschmutzungen der Fahrbahn und mutmaßlich auch zu dem einen oder anderen Platten. Sowieso zeigt sich hier, wer solch einen Wettkampf auch einmal locker angehen kann und wer unbedingt mit Hightech-Material ins Abenteuer, bei dem es nicht auf Zeiten ankommt, starten musste. Robust hatte heute die Nase vorn, Ausfälle im Spitzensegment teuerster Marken waren überproportional häufig vertreten.

Die größte Aufregung des Tages war aber dann doch der Knock-Out für die Überfahrt mit den Schnellbooten. Zweieinhalb Stunden nach dem Start wurde niemand mehr von der Insel gelassen. Bis dahin fuhren Boote immer dann, wenn sie mit 12 Teilnehmenden voll waren. So kamen recht unterschiedliche Wechselzeiten zustande. Dann ging es mit geregelten 16 Knoten in ca. 15 Minuten nach Sylt. Jedenfalls für die Meisten. Für etwa ein Viertel der Starter galt das leider nicht, obwohl es an diesem Tag alle verdient gehabt hätten.

Es sei nebenbei einmal bemerkt, dass es erstaunlich war, wie groß der Zuschauerzuspruch auf Föhr war. Die Hostessen von Red-Bull waren selbstverständlich da, aber auch bei inzwischen mittelmäßigem Wetter auch – nicht übertrieben – hunderte Insulaner und Feriengäste, die sich das Spektakel live ansehen wollten und beeindruckende Spaliere bildeten. Auf Sylt war das Publikum dann gesetzter und mit Parka und standesgemäßen Sektchen von der Sansibar im Strandkorb begrüßten uns die Sylter im Ziel.

Ein Event, das möglich ist

Bis es soweit war, galt es noch 11 km über Dünenlandschaft, durch Heidefelder und 3km am Strand zu bewältigen. Im Sand immer auf der Hut vor aufspülenden Wellen, zeigte sich, wer bei kraftraubenden, tief in den weichen Sand einsinkenden Schritten noch genügend Körner hatte. Im Ziel war es dann wieder ein Fun-Event mit seiner theatralischen Seite. Der Sprecher feuerte jeden der ins Ziel wankenden Teilnehmenden auf, möglichst lässig die Zielgrade zu überqueren. Die Kamera nahm, inzwischen bei verhaltenem Sonnenschein, alles auf. Dabei war man auch froh, es geschafft zu haben, erst recht, wenn auf einmal die Wirkung des Adrenalins abflaut und den Weg zum Schmerz in der Wade freigibt.

Was bleibt am Ende? Ein 12. Platz, den – ganz ehrlich - niemand so recht interessiert, aber vor allem auch die Erkenntnis, dass ein Wald-, Feld-, Wiesentriathlon auch ein Event werden kann, bei geeigneter Location und etwas Show. Beeindruckend wie so ein Wettkampf Spaß machen kann, auch wenn man meint, schon viele Wettkämpfe gesehen und mitgemacht zu haben. Auf jeden Fall ein beispielhaftes und empfehlenswertes Ereignis, auch wenn man kein Fan von Taurin- und Koffeeinhaltigem Zuckerwasser ist.

Free Joomla! template by L.THEME